Es muss irgendwie weiter gehen .. Abschied nehmen | einhofvollerleben


 
 
 
Da mich viele gefragt haben, wie es mir geht, möchte ich hier durch meinen Blog eine Antwort geben. Die letzten 2 Wochen waren nicht einfach und das werden die nächsten Wochen und Monate auch nicht werden. Bitte schreibt mich nicht an und fragt mich, ob es mir besser geht. Nein, mir geht es nicht besser. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn euch Euer Pferd nach 8 Jahren auf so eine grausame Weise genommen wird? Ich verstehe nicht, was in ihnen Vorgegangen ist oder wieso sie das getan haben. Ob sie sich gezielt an meiner Paula vergreifen wollten. Ich kann es nicht beantworten und ich glaube, ich werde es nie heraus finden. Sie hätten sich an weiteren Pferden vergehen können, haben es aber nicht getan. Sie hätten das alles mit mir machen können, mir wäre es egal gewesen.
 
Ich kann mir ihre Bilder nicht angucken, ich kann nicht schlafen, ich kann nichts essen, ich will nicht reden - ich will gar nichts. Ich liege nur noch im Bett, ich stehe nur auf, wenn es sein muss. Ich weine mich in den Schlaf und wenn ich kurz vorm Einschlafen bin, dann werde ich durch Geräusche wach, die im Haus passieren oder ich höre sie Wiehern. Ich rieche ihren Duft und ich habe Bilder vor Augen. Bilder, wie sie auf der Weide lag, wie Tamina neben ihr stand, mit gesenktem Kopf. In ihren Augen war kein Glanz mehr. Sie wusste, dass sie stirbt und ich konnte ihr nicht Helfen. Sie starb in meinen Armen und ihr könnt euch nicht annährend vorstellen, wie man sich fühlt, wenn du dein Pferd auf deinem Schoß liegen hast, wie das Blut einfach nur fließt und du weißt, du kannst ihr nicht mehr helfen...
 

 
Ich habe es ihr erzählt, als sie auf meinem Schoß lag, während Doro versucht hat, die Blutung zu stoppen, mit Decken zugedeckt. Ich saß in meinen Schlafsachen auf dem kalten Boden und ich fror, aber es war mir egal. Ich merkte, wie ihr Atem immer langsamer wurde und ihre Muskeln noch zuckten. Ich strich ihr immer wieder durch das Gesicht. Sie sah mich an und ich wusste, dass sie es gleich geschafft hat. Ich sagte ihr immer wieder, wie sehr ich sie liebe und das sie nicht alleine ist. Tamina stand immer noch neben ihr und ihre Nüstern hingen kurz vor ihren Ohren. Tamina pustete warme Luft zu ihr, bis die sich neben sie legte und ihren Kopf an sie schmiegte. Dann merkte ich, dass sie nicht mehr atmete. Sie hatte es geschafft, sie hat jetzt keine Schmerzen mehr. Ich schmiegte mein Gesicht an ihres und weinte.
 
Ich habe in den letzten Tagen so viel Anteilnahme durch Freunde, Bekannte, Familie und auch durch Fremde Menschen bekommen. Auch sie können nicht begreifen, was geschehen ist. Sie Trauern mit mir und ich muss ehrlich sein, ohne sie, würde ich einfach nicht mehr Atmen wollen.
 
Ich funktioniere nur noch. Wenn ich etwas machen will, dann geht es nicht, weil ich die Kraft dafür nicht habe. Es tut mir einfach Leid, dass ich nichts mit meinen Pferden machen kann. Ich habe so viel mit Paula erlebt. Ja, es gab auch nicht so schöne Dinge, aber wir haben sie miteinander erlebt und immer wieder ging es Bergauf. Wir hatten unendlich schöne Erlebnisse zusammen und die kann mir keiner nehmen. Sie wird immer in meinem Herzen bleiben, denn dort gehört sie hin. Ich habe ihr immer zu hundert Prozent Vertraut und mit ihr waren die Ausritte immer so einfach. Ich habe ihr Vertraut, weil ich wusste, das mit ihr nichts passieren kann. Sie trug mich auf ihrem Rücken, einfach so.
 
 
 
 
Ich vermisse sie so sehr. Ich vermisse ihre Blicke, ihr warmes Fell, ihre Nüstern, ihr Wiehern, ihren Geruch, den ich ständig in der Nase habe. Ich vermisse ihre Geräusche, wenn sie am fressen war. Ihre Aufmerksamkeit, wenn sie wusste, was wir zusammen machen werden. Ich vermisse ihren einzigartigen Charakter und das, obwohl sie ein Reitpony war. Ja, sie war manchmal Zickig, wie es sich eben für eine Stute gehört, aber sie war immer Lieb. Ich vermisse ihr Hufgeklapper, wenn ich sie auf die Weide laufen lies. Sie rannte erst bis nach ganz unten, um zu gucken, ob noch alles da war, wie sie es verlassen hat. Dann kam sie wieder nach vorne, ich gab ihr einen Kuss, so wie ich es bei meinen anderen Pferden auch mache, dann lief sie im Trab wieder zurück und fing an zu fressen, zusammen mit ihrer besten Freundin Tamina. Sie waren noch nie getrennt und jetzt ist es um so schwerer für mich, für Tamina da zu sein. Sie trauert und sucht sie immer noch. Sie steht einfach nur da mit gesenktem Kopf. Sie frisst nichts, sie steht einfach nur da, vielleicht mümmelt sie mal am Heu, aber das war es auch schon. Wenn ich mit ihr spazieren gehen will, damit wir uns beide ablenken können, kommt sie zwar mit, aber sie interessiert sich für nichts. Sie hebt nicht einmal den Kopf. Ich bin schon so froh, dass die Wunde gut verheilt, aber sie so zu sehen, zerreißt mir das Herz... 
 
 


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