Entscheidungen ..



Tamina

Donnerstag, 24.10.2019

Am Abend bin ich zu meinen Pferden. Das Futter war fertig und ich bin dann als erstes zu Lady und Pina. Da ich meistens die Futtereimer auf der Weide stehen lasse und sie später wieder hole, bin ich dann weiter. Bella und Bilbo bekamen ihr Futter und dann bin ich zu Tamina, die mit zwei Wallachen zur Zeit auf der Weide steht. Da habe ich dann schon gemerkt, dass was nicht stimmt. Sie lahmte, als sie auf mich zu kam, sie schwankte ziemlich schwer zur Seite und sie fand den Futtereimer nicht. Dann habe ich bemerkt, dass ihre Fessel hinten links Dick ist. Ich habe dann ein Verband mit Rivanol gemacht. Dadurch, das sie schon lahmte, wollte ich ihr den Weg in die Box ersparen. Ich musste aber auch erst noch einmal nach Nachhause, um warmes Wasser, Verband und das Rivanol zu holen.

In der Nacht schaute ich noch einmal nach ihr, um auch den Verband noch einmal mit warmen Wasser nass zu machen. Sie schlief ganz ruhig.

 
Freitag, 25.10.2019

Am Morgen, als ich zum Füttern zu ihr bin, sah ich, dass sie immer noch genau dort liegt, wo ich sie in der Nacht zuvor auch schon gesehen habe. Ich habe dann den Verband gewechselt und nass gemacht.

Und dann lief ich rüber zu einem Freund, der direkt an den Weiden wohnt. Er musste mir helfen, damit sie wieder aufsteht. Tamina kippte immer wieder um, drehte sich vorher im Kreis und verzog die Augen. Ich hatte Panik. Große Angst machte sich in mir Breit. Sie merkte nicht einmal, dass wir sie angefasst haben.

Ich rief meinen Vater an, dann unsere Tierärztin, die sofort zu uns kam. Als sie Tamina sah, sagte sie schon, sie muss in die Klinik, so schnell wie möglich. Uwe holte das Auto mit dem Hänger. Ich hoffte so sehr, dass sie es auf den Hänger schafft und da sieht man immer wieder, dass sich Hängertraining zum guten wandelt.

Als wir in der Klinik ankam und der Tierarzt mit Doro redete, ahnte ich schlimmes. Sie wurde untersucht und untersucht. Dieses Warten machte mich kirre. Ich hasse es, zu warten und nicht zu wissen, was mit meinem Pferd los war. Einfach da sitzen, zu hoffen, dass es nicht jetzt zu ende sein soll und das man ihr hilft, wo man nur kann.

Als Doro dann zu mir kam, sagte sie, ich solle auf den Tierarzt warten. Er ließ sich Zeit. Natürlich ist noch mehr los und es brauchen auch andere seine Hilfe, aber ich war so Nervös und war am weinen.

Bis er dann schließlich bei mir war, sind ca. 20 Minuten vergangen. *"Wir haben sie Sediert, um ein MRT und CT machen zu können. Ihr geht es den Umständen entsprechend. Sie hat Ataxie und in unserer Sprache, einen Schlaganfall gehabt. Es war gut, dass Sie so schnell reagiert haben. Sie bekommt Infusionen mit Schmerzmittel und wird erstmal hier bleiben müssen. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber überlegen Sie sich, ob sie ihr Pferd nicht lieber gehen lassen wollen. Es gibt für Ataxie keine Heilung."

Er fragte mich noch, ob sie giftige Pflanzen gefressen hätte. Nein, auf unseren Weiden wächst nichts, was giftig für unsere Pferde wäre. Und wenn sie von Fremden gefüttert worden wäre, hätten die beiden anderen auch was. Dann stand er auf und ging.

*Gespräch aus meinem Gedächtnis

Die ersten Minuten nach dem Gespräch rührte ich mich keinen Zentimeter und weinte. Ich zitterte am ganzen Körper. Zwei Pferde in nicht mal einem Jahr. Das verkrafte ich nicht. Wieso Tamina? Wieso tut man mir so etwas an?

Tamina fraß nichts. Nicht mal ihre Lieblingsleckerlis wollte sie annehmen. Keinen Apfel, keine Banane, nichts. Das einzig gute war, dass sie selber etwas getrunken hatte. Ich hatte Angst, einen Anruf aus der Klinik zu bekommen. Das man mir sagte, dass sie wieder umgefallen ist, sie ist halbseitig gelähmt. Das man sie jetzt gehen lässt. Ich habe Angst.

Am Abend fuhren mein Vater und ich in die Klinik. Ich wollte wissen, wie es Tamina geht. Als wir ankamen, kam der Tierarzt uns schon entgegen. Mein Vater redete mit ihm und ich saß auf eines der Stühle. Ich hatte Angst, dass ich raushörte, dass es besser ist, sie gehen zu lassen.

Als ich in ihrer Box ankam, hang sie an der Infusion und wirkte Abweisend. So wie im November letztes Jahr.

Ich hockte mich zu ihr und streichelte sie, in der Hoffnung, sie würde es merken. Das sie merkte, dass ich da war. Ich musste mit den Tränen kämpfen, ich bin einfach zu Sensibel. Dann schaute sie mich kurz an und ich kuschelte mich an sie. "Tamina, du musst Kämpfen, wir müssen Kämpfen. Ich weiß, dass du es schaffst. Ich liebe dich viel zu sehr.." Ich wusste nicht, dass ich das zu ihr sagte, mein Vater erzählte es mir, als wir wieder nachhause fuhren. Ich wäre am liebsten dort geblieben. Würde die ganze Zeit bei ihr sein. Ich weiß, ich weiß. Sie tun dort alles, was in ihrer Macht steht.

Mein Vater fragte mich noch, ob ich nicht doch lieber Zuhause schlafen möchte, da wäre ich nicht alleine. Ich wollte aber nicht, weil mir dort zu viel los war. Ich wollte einfach meine Ruhe haben.

 
Samstag, 26.10.2019

René war so lieb und hat mich zur Klinik gefahren. Er kam dann mit rein, weil ich ihn darum gebeten habe. Als ich dann Tamina in der Box stehen sehen habe, musste ich sogar lächeln. Der Tierarzt sagte, dass es ihr immer noch den Umständen entsprechend geht und sie auch schon etwas gefressen hätte. Wir durften dann Spazieren gehen. Zwar nur 10 Minuten und langsam, aber wir haben es geschafft. Sie kämpft. Wir kämpfen. René blieb die ganze Zeit an meiner Seite und ich bin ihm sehr dankbar, dass er das für mich tut.

Heute Abend wird René mich wieder fahren, aber dieses mal kommt Talia mit. Ich hoffe immer noch, keinen Anruf zu bekommen.

UPDATE 26.10.2019 - 19:00 Uhr

Tamina geht es immer noch den Umständen entsprechend. Die Infusionen mit dem Schmerzmittel laufen durch. Das einzige positive ist, dass der Einschuss in der Fessel fast weg ist. Sie bekommt deswegen noch Antibiotika und hat einen Angussverband bekommen.

Ich habe mich dann noch mit dem Tierarzt zusammen gesetzt und ihn gefragt, ob es wirklich nötig ist, sie gehen zu lassen, solange es sich positiv entwickelt. Ich weiß, dass Ataxie nicht heilbar ist, aber wir haben die Möglichkeit, sie mit Physiotherapie, Wärmebehandlung und Wassergymnastik zu therapieren. Ich möchte sie nicht weiter leiden, wenn es wirklich keine Möglichkeit gibt. Sie ist mein Mädchen und ich liebe sie über alles, so wie meine anderen Pferde auch und ich möchte ihr das Leben nicht schwerer machen. Ich habe Angst, dass es wieder passiert und sie wieder einen Schlaganfall bekommt. Das möchte ich ihr ersparen.

Morgen Nachmittag werde ich wieder hinfahren, zusammen mit meiner Tante und dann werden wir sehen, wie es ihr geht.


UPDATE 26.10.2019 - 21:00 Uhr

Ich bekam gerade einen Anruf aus der Klinik, dass Tamina gekrampft hat und umgekippt ist. Davor hatte ich Angst, dass ein Anruf kommt und es nichts gutes bedeutet. Ich möchte sie nicht weiter leiden lassen und werde jetzt in die Klinik fahren...

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